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Freitag, 18. Mai 2012

Ihr lieben Geschwister!

Ich nutze diesen Weg, um mich zum ersten Mal an euch alle zu wenden.

Sehr herzlich danke ich euch für das mir entgegengebrachte Vertrauen und die vielen schö­nen Begegnungen, die wir schon in den Gemeinden und Bezirken haben konnten. Ich bin mir da­rüber im Klaren, dass ich noch längst nicht alle Gemeinden besucht habe und ich bin neu­gie­rig darauf, euch alle kennenzulernen.

Ich freue mich euch dienen zu können und erlebe in meiner Arbeit eine wohltuende Un­ter­stüt­zung durch die Apostel und Bischöfe Norddeutschlands, die weiteren Ämter und Mithelfer – letztlich durch jeden von euch.

Heute muss ich euch mit einem ganz besonderen Thema vertraut machen, das in unserer Ge­sellschaft schon vielfältige Auswirkungen hatte. Es geht um die Demografie, (also um die Al­tersstruktur und Entwicklung der Bevölkerungen). Wir stehen vor deutlich spürbaren de­mo­gra­fischen Veränderungen in unserer Gesellschaft, die auch vor unserer Kirche nicht Halt ma­chen. Die demografischen Veränderungen haben bereits zu einem großen Um­den­ken in Po­litik und Wirtschaft geführt. Ich denke dabei nur an die zukünftige Finanzierung unseres So­zialsystems. Natürlich haben diese Veränderungen auch Auswirkungen auf unsere Ge­mein­den. Schon meine Amtsvorgänger im Bezirksapostelamt haben immer ein waches Auge darauf gehabt, diesen Entwicklungen Rechnung zu tragen.

Ich bin überzeugt, dass die Zeit gekommen ist, nunmehr im großen Überblick gemeinsam ei­ne Strategie zu entwickeln, die unsere Gemeinden und Bezirke auf ein zukunftsfähiges Fun­da­ment stellt. Unser Stammapostel hat schon vor Jahren eine Arbeitsgruppe "Demografie" ein­gerichtet, in der auch zwei Brüder aus Norddeutschland mitwirken. Die erhobenen Daten wer­den jährlich überprüft. Es ist uns möglich, eine Entwicklung bis zum Jahr 2030 dar­zu­stel­len. Zur Verdeutlichung dient uns die folgende grafische Darstellung:

Ihr seht, dass wir in meinem Arbeitsbereich, in meinem deutschen Arbeitsbereich, im Jahr 2010 42.537 Mitglieder hatten. Es ist uns möglich, eine Entwicklung bis zum Jahr 2030 ab­zu­schät­zen. Diese Anzahl wird sich bis zum Jahr 2030 kontinuierlich abbauen und zwar auf 32.400 Mitglieder. Dies wird bis dahin ein Verlust von knapp 24 %, somit also ¼ der ge­sam­ten Mitglieder sein. Bis zum Jahr 2025 sind dies schon fast 17 %.

Nun schauen wir auf die sogenannte Altersstrukturpyramide unseres deutschen Ar­beits­be­rei­ches. Ihr findet in dieser Grafik den jeweiligen Geburtsjahrgang unserer Mitglieder und die An­zahl der Geschwister dieses Geburtsjahrganges im gesamten norddeutschen Bereich. Ich grei­fe nun einige Zahlen heraus. Ihr seht, dass wir in dem Geburtsjahrgang 1920 – also den heu­te 91jährigen - insgesamt 106 Mitglieder haben, d.h. Schwestern oder Brüder. Ob sie noch zum Gottesdienst kommen können oder nicht mehr, drückt diese Tabelle nicht weiter aus. Mit dem Geburtsjahrgang 1930, also den heute 81jährigen haben wir heute 363 Mit­glie­der. Und so geht die Entwicklung weiter und ich möchte euch hinlenken auf die ansteigende Zahl der Mitglieder, insbesondere in den geburtenstarken Jahrgängen 1950 und ff. Im Jahr 1950, also den heute 61jährigen, haben wir 697 Mitglieder. Diese Entwicklung baut sich wie­ter auf. 1960, also den heute 51jährigen haben 775 Mitglieder.

Danach stellen wir fest, dass die Entwicklung rückläufig ist. So haben wir mit dem Jahrgang 1970 noch 559 Mitglieder, mit dem Jahrgang 1980 noch 503 Mitglieder, mit dem Jahrgang 1990 noch 466 Mitglieder, mit dem Jahrgang 2000, den heute elfjährigen noch 288 Mitglieder und mit dem Jahrgang 2010 noch 126 Mitglieder.

Wegen dieser Entwicklung habe ich mich entschieden, im Juni dieses Jahres die Ge­mein­de­vor­steher und Bezirksämter zu grundsätzlichen Überlegungen aufzufordern. Die Vorsteher und Bezirksämter haben darauf eine Gemeinde- und Bezirksstrategie entwickelt.

Dabei war mir wichtig, dass im  Ergebnis Gemeinden gebildet werden, in denen zum einen das wünschenswerte Gemeindeleben abgebildet werden kann und zum anderen auch ein aus­reichend großes Potential für Wachstum entsteht.

Weiterhin war ein wesentliches Kriterium, dass Gemeinden entstehen, die für alle Al­ters­grup­pen interessant sind, positive Wirkungen auf die innere Migration erzeugen und Anreize für su­chende Seelen zu schaffen. Die innere Migration meint, dass aktive Geschwister die Got­tes­dienste nicht mehr besuchen, also zu einem passiven Mitglied werden.

Ich bin davon überzeugt, dass wir auch in unserem deutschen Arbeitsbereich wachsen wer­den. Notwendig ist allerdings, nicht nur geeignete Gemeinde- und Bezirksstrukturen zu schaf­fen, sondern auch eine engagierte Evangelisation oder wie wir früher sagten, Wein­bergs­arbeit.

Viele Aktionen in zurückliegender Zeit, auch die Aktion zum Erntedanktag dieses Jahres "Tei­len tut gut", haben in der Öffentlichkeit sehr positive Wirkungen gezeigt. Unterstützt durch Veröffentlichung in der Presse und durch eure Einladungen sind viele liebe Menschen das erste Mal in unseren Gottesdiensten gewesen.

Der diesjährige norddeutsche Jugendtag stand unter dem Motto: "Komm und sieh". Wir wa­ren mit gut 3000 Jugendlichen, Jugendleitern und Amtsträgern zusammen und haben uns vor­genommen, dass jeder zum nächsten Jugendtag einen Gast mitbringt. Da uns das   Con­gress Centrum Hamburg nicht die entsprechende Platzanzahl bietet, haben wir die O2-Arena mit 5.500 Sitzplätzen angemietet, im Übrigen zum gleichen Preis, wie das Congress Cen­trum Hamburg. Ich glaube daran und freue mich darauf, zum Jugendtag am 9. September 2012 eine überwältigende große Anzahl von Gästen begrüßen zu können.

Ich weiß, dass auch ihr einladet, um die frohe Botschaft hinauszutragen und Seelen zu finden, die der liebe Gott noch erwählt hat. Die Erfahrung zeigt, dass Wachstum am besten in Gemeinden entsteht, in denen eine ausreichende Anzahl von Kindern, Jugendlichen, Ge­schwis­tern mittleren Alters und Senioren zusammenkommen. Dann erkennen suchende See­len, wie lebendig und vielfältig unsere Gemeinden sind.

Das ist nicht mehr überall der Fall und da müssen wir zusammenwachsen, damit wir wieder zusammen wachsen können. Und das ist die Überschrift, unter die ich die weiteren Über­le­gun­gen stelle. Wir wollen zusammenwachsen, damit wir wieder zusammen wachsen kön­nen.

Zusätzlich müssen wir uns auch den Herausforderungen umfänglicher Sanierungsaufgaben an unseren in den 60er, 70er und 80er Jahren entstandenen Kirchengebäuden stellen. Dies wird in der kommenden Zeit erhebliche finanzielle Mittel benötigen.

Ihr lieben Geschwister! Wenn ich euch nun mit vielen Daten und Fakten unterrichtet habe, so will ich noch einmal unterstreichen, dass ich mich ganz besonders darauf konzentrieren will, die Voraussetzungen für Wachstum zu schaffen. Dazu sollen zukünftige Ge­mein­de­zu­sam­men­legungen helfen. In einigen Bezirken ist schon Vieles getan worden und dieser Prozess ist dort abgeschlossen. In anderen Bezirken muss noch gehandelt werden.

Wie geht es nun weiter? Wir werden euch auch weiter über alle Schritte rechtzeitig in­for­mie­ren. Ein transparenter, nachvollziehbarer Prozess ist mir dabei wichtig. Im Jahr 2011 wird nichts mehr geschehen, aber es war mein Anliegen, euch schon heute über das zu in­for­mie­ren, was wir in der Zukunft vorhaben und hoffe auf euer Verständnis für erforderliche Schrit­te. Ich möchte euch auch sagen, dass eure Vorsteher und Bezirksvorsteher im Moment noch kei­ne weiteren Auskünfte geben können. Alles befindet sich noch im Prozess, aber es war mir nun wichtig, euch schon heute zu informieren. Aus Erfahrungen weiß ich, dass es Zeit braucht, Veränderungen mittragen zu können. Wir werden euch deshalb frühzeitig in­for­mie­ren und mit einbeziehen.

Ich bin überzeugt, dass in der Veränderung unserer Gesellschaft, wie wir sie erleben, auch ei­ne große Chance liegt. Unsere Mitmenschen suchen vermehrt nach Orientierung, gerade auch in christlichen Werten und nach einem Sinn des Lebens. Da haben wir im Werke Got­tes mit der frohen Botschaft und unserem freudigen Glaubensziel ein großartiges Angebot. Lasst uns das nutzen und die frohe Botschaft des Evangeliums Jesu Christi hinaustragen.

Euch und euren Familien wünsche ich gesegnete Advents- und Weihnachtstage und danke sehr, dass ihr mir zugehört habt.